Buchwussels Märchenwelt

 

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Ambrosius der Maikäferkönig





Maikäferkönig Augustinus der Zweite,
knabberte genüsslich am Birkenblatt.
Er träumte von einem Maikäferweibe
denn er hatte das Alleinsein so satt !

Nur wer nicht sucht, kann nicht finden,
diese alte Weisheit war ihm bekannt.
So klappt es nicht mit Familie gründen,
drum beschloss er zu reisen durchs Land.
 
Die Kunde verbreitete sich in Windeseile,
so erfuhr es auch Julia vom Birkenhain.
Diese lebte verwitwet schon eine Weile,
fühlte sich einsam und schrecklich allein.

Hirschkäfer Ambrosius klug kombinierte,
diese beiden  waren füreinander gedacht.
Mann müsste sorgen dass etwas passierte,
flugs hat er sich dann auf den Weg gemacht.

Er lotste Ambrosius den Ahnungslosen,
zu Julias  Schlösschen am Birkenhain.
Nun sind sie zusammen, lieben und kosen,
und keiner von beiden ist mehr allein.

Auf Kinder mussten sie nicht lange warten,
der erste Familienausflug steht vor der Tür.
Du siehst sie bestimmt in Wiese und Garten,
wenn du einen siehst, sag ihm Grüße von mir.

© Celine Rosenkind


Nickname 02.05.2012, 14.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Gedichte für Dich

Ein Maimärchen



Ein Maimärchen
von Manfred Kyber

Es war einmal ein Maikäfer, der war wie alle Maikäfer im Mai auf die Welt gekommen – und die Sonne hatte dazu geschienen, so hell und so goldlicht, wie sie nur einmal im Jahre scheint, wenn die Maikäfer auf die Welt kommen. Dem Maikäfer aber war's einerlei. »Das Sonnengold kann man nicht fressen«, sagte er sich, »also was geht's mich an.« Dann zählte er seine Beine, erst links und dann rechts und addierte sie zusammen.

Das schien ihn befriedigt zu haben, und nun überlegte er, ob er einen Versuch machen solle, sich fortzubewegen, oder ob das zu anstrengend wäre. Er dachte drei Stunden darüber nach, dann zählte er noch einmal seine Beine und fing an, sich langsam vorwärts zu schieben, möglichst langsam natürlich, um sich nicht zu überanstrengen. Bequemlichkeit war ihm die Hauptsache!

Da stieß er plötzlich an was Weiches, an etwas, was so weich war, dass er sich's unbedingt ansehen musste. Es lag im Grase und sah aus wie eine schwarze Samtweste, hatte vier kleine Schaufeln und keine Augen. Den Maikäfer, der noch keinen Maulwurf gesehen hatte, interessierte das fabelhaft, er überzählte noch schnell einmal seine Beine und dann ging's mit wütendem Eifer mitten in die schwarze Samtweste hinein. Der Maulwurf fuhr empört auf. »Sind Sie verrückt?«, schrie er den Maikäfer an. »So eine Rücksichtslosigkeit!« Der Maikäfer lachte. Es war zu komisch, wie sich die Samtweste aufregte.

»Wissen Sie«, sagte er vorlaut, »wenn man aus nichts weiter besteht, als aus einer Samtweste und vier kleinen Schaufeln und auch keine Augen hat, soll man lieber ruhig sein.« – »Reden Sie nicht so blödes Zeug«, kreischte der Maulwurf, atemlos vor Wut. »Sie sind ein ganz verrohtes Subjekt!« Und damit kroch er in die Erde, der Maikäfer aber setzte angenehm angeregt und erheitert seinen Weg fort. Schließlich, als es Abend wurde, kam er an einen Teich, da saß ein großer alter Frosch auf einem Stein, ganz grün und ganz feucht, der las beim Mondlicht die Zeitung, das »Allgemeine Sumpfblatt«.

Den frechen Maikäfer reizte der breite Rücken des vertieften Lesers und er kitzelte ihn ganz leise und boshaft mit den Fühlhörnern. Der Frosch fuhr mit seinen langen Fingern herum und kratzte sich, ohne von der Zeitung aufzusehen, denn das »Allgemeine Sumpfblatt« ist sehr lehrreich und sehr schön geschrieben – und dabei lässt man sich nicht gerne stören. Aber der Maikäfer kitzelte beharrlich weiter, bis der Frosch sich schließlich geärgert umdrehte und den Störenfried vorwurfsvoll betrachtete. Da er aber alle Tage das »Allgemeine Sumpfblatt« las und also sehr gebildet war, so erkannte er in dem respektlosen Wesen sofort einen Maikäfer.

»Heut ist der erste Mai«, sagte er ruhig, »es steht in der Zeitung, da kommen diese merkwürdigen Geschöpfe. Dagegen lässt sich nichts machen.« Und dann las er weiter und kratzte sich geduldig, wenn ihn der Käfer kitzelte. Der arme Frosch hätte sich noch lange kratzen müssen, wenn der Maikäfer nicht plötzlich was gehört hätte, was ihm noch übers Kitzeln ging; es klang, als ob's mit vielen feinen Stimmchen singt, und das war ein Elfenreigen: viele kleine Elfchen in weißen Hemdchen und mit goldenen Krone im goldenen Haar hatten sich bei den Händen gefasst und schlangen den Ringelreih'n und sangen dazu. Der Frosch sah gar nicht hin, das stand ja alles im »Allgemeinen Sumpfblatt« unter »Lokales«, aber der Maikäfer kannte so was nicht und kroch, so schnell er konnte, um sich das Seltsame zu betrachten, was so seltsam mit vielen feinen Stimmchen sang.

Die Elfen flohen entsetzt auseinander, nur eine blieb stehen und sah sich den komischen Gesellen an. »Du hast ja sechs Beine!«, rief sie, »Du bist gewiss ein verwunschener Prinz – und ich warte schon so lange auf einen, um ihm mein Krönlein zu schenken.« Der Maikäfer sah auf seine sechs Beine, bewegte verlegen die Fühlhörner und sagte nichts. »Es ist ganz gewiss ein verwunschener Prinz«, dachte das Elfchen, »er hat doch sechs Beine und sagt nichts!« Und dann fragte es ihn: »Willst du mich heiraten?« Der Maikäfer verstand nur, dass er gefragt wurde, ob er was wolle, und da sagte er: »Fressen will ich«, und legte sich auf den Rücken. »Er muss sehr stark verwunschen sein!«, dachte das Elfchen und gab ihm zu essen, lauter schöne Sachen, wie man sie nur im Elfenreich hat.

Als er satt war, setzte sich das Elfchen neben ihn und beschloss, geduldig zu warten, bis sich der verwunschene Prinz entpuppt. Und als die Glockenblumen Mitternacht läuteten, da dachte das Elfchen, jetzt müsste es sein, und wollte ihm sein Krönlein schenken. Aber der Maikäfer hörte weder die blauen Glockenblumen noch sah er das goldene Krönlein, er lag auf dem Rücken und schlief. Das war so schrecklich langweilig – und so ging's alle Tage und Nächte weiter, er fraß grässlich viel; und wenn die Glockenblumen läuteten, schlief er ein. Und das arme Elfchen wartete und wartete.

Da, eines Nachts, geschah etwas Wunderbares: Der Maikäfer rührte sich, streckte seine sechs Beine, bewegte die Fühlhörner und bekam plötzlich Flügel. »Jetzt entpuppt sich der verwunschene Prinz«, dachte das Elfchen und freute sich furchtbar. Und grad wie es sich so furchtbar freute – flog der Maikäfer davon und zerbrach noch dabei mit seinen plumpen Beinen das goldene Krönlein, dass es in tausend Scherben ging. Die Elfenkrönlein sind ja so zerbrechlich!

Da saß nun das arme Elfchen und hatte keinen verwunschenen Prinzen bekommen und hatte auch kein Krönlein mehr, es ihm zu schenken. Und so stützte es das Gesichtchen in die Hände und weinte bitterlich. Das klang so traurig, dass der Frosch vom »Allgemeinen Sumpfblatt« aufsah und sich das Elfchen mitleidig betrachtete. »Ja, ja«, sagte er seufzend, »heute ist der letzte Mai, es steht in der Zeitung, da gehen diese merkwürdigen Geschöpfe wieder. Dagegen lässt sich nichts machen.« Und dann schlug er nachdenklich eine Seite um – das Umblättern ist für einen Frosch sehr leicht, weil er so feuchte Finger hat – und las weiter.

Auch der Maulwurf kam aus der Erde heraus und sagte: »Es war ein ganz verrohtes Subjekt!« In Wirklichkeit aber war der Maikäfer weder ein verrohtes Subjekt, noch ein verwunschener Prinz, sondern eben nur ein ganz gewöhnlicher Maikäfer. Und von dem soll ein Elfenkind keine Märchen erwarten und soll ihm sein Krönlein nicht schenken.

Und was aus dem Elfchen wurde? Das hat der liebe Gott in den Himmel geholt und hat ein Englein draus gemacht mit zwei kleinen Flügeln und hat ihm einen Heiligenschein für das zerbrochene Krönlein gegeben.


                                                             

 

Nickname 02.05.2012, 13.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Märchen von Manfred Kyber

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