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Warum der Bär so schlecht sehen kann



Braucht der Bär wirklich eine Brille?

Hallo meine lieben großen und kleinen Freunde

Habt Ihr gewusst, dass der Bär von allen Tieren am schlechtesten sehen kann? Deshalb trottet er auch immer ganz langsam durch den Wald und streckt dabei die Arme aus. Wenn er zu einem Augenarzt gehen würde, müsste er bestimmt eine Brille tragen vielleicht sogar mit getönten Glasern.
Armer Bär sagt Ihr?
Nun so arm ist der Bär gar nicht. Hört einmal zu.
Als der liebe Gott die Bären erschuf, sah er genau so gut wie jedes andere Tier. Kurzsichtig ist er erst geworden, als er von der Bienenkönigin für seine Naschhaftigkeit bestraft wurde. Er hat die ganze Geschichte längst bitter bereut, aber geschehen ist es damals - ja damals war er hinter dem Honig her, wie ein Hecht hinter dem Karpfen.
Wenn der Wald wie ein einziger Bienenstock duftete, und er nur daran dachte, wie der Honig jetzt durch die Waben floss, hielt er es in seiner Höhle nicht mehr aus. Er setzte seinen Hut auf und zog seine Handschuhe an, trabte durch den Wald und kam schließlich mit unschuldiger Miene bei der Bienenkönigin an. Diese war gerade dabei, mit einem Holzlöffel eine betörend duftende Mischung aus Gänseblümchenblättern, Rosenwasser und Veilchenlikör umzurühren.
“Grüß Gott, schöne Köchin“, brummte der Bär und lüftete seinen Hut. “Darf man sich erkundigen, was du da in dem Topf hast?“ Die Bienenkönigin unterbrach einen Moment ihre Arbeit und sagte: “Das ist Honig, lieber Freund, köstlicher süßer Honig“ Sie wischte sich den Schweiß von den Flügeln und fügte seufzend hinzu: “Alles gut und schön, wenn die Arbeit für uns Bienen bloß nicht so schwer wäre. Wir müssen Pollen eintragen, Waben flicken, Wachs kneten und hier den Honig umrühren.“ Hurtig ergriff der Bär die Gelegenheit und sagte mit heuchlerischer Stimme: “ Oh du Arme, wie Du mir leid tust! Kann ich Dir dabei nicht helfen? Ich bin so stark, und im Augenblick habe ich nichts Dringendes zu tun.“
“Das ist schrecklich nett von dir“, summte die Biene dankbar. “Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, säuselte der Bär zweideutig und ergriff rasch den Löffel, den ihm die Bienenkönigin hinhielt. “Du kannst inzwischen in aller Ruhe deine Arbeit erledigen. Dein Honig ist in den besten Händen. Ich weiß genau, wie man es machen muss.“
Erleichtert flog die Bienenkönigin davon, ohne auch nur den winzigsten Verdacht zu schöpfen. Bald darauf war sie in einer dichten Ginsterhecke untergetaucht, in der der Blütenstaub nur darauf wartete, von ihr eingesammelt zu werden. Der Bär lachte zufrieden über seine List und rieb sich erwartungsvoll die Hände. Dann steckte er seine Schnauze in den Honigtopf und hatte seinen Inhalt im Handumdrehen aufgeschleckt.
Als er sich gesättigt fühlte, trottete er in den Wald zurück, legte sich in den Schatten einer alten Eiche und fing zu schnarchen an. Am Abend kehrte die Biene zu ihrem Topf zurück.
Aber was musste sie zu ihrem Entsetzen entdecken? Kein Honig mehr, nicht ein einzigstes Tröpfchen, und alle Waben waren zerstört. Sie brach in Tränen aus und konnte sich überhaupt nicht mehr beruhigen.
Sie dachte nur daran, dass ihr Bienenvolk im Winter nichts zu essen hatte, und an Hunger sterben würde, weil dieser naschhafte Bär alles weggefressen hatte.
Sofort machte sie sich auf die Suche nach dem Übeltäter.
Sie flog und flog, bis sie ihn endlich fand. Er lag noch immer unter der Eiche. Die Pfoten hatte er über seinem Bauch der dick, wie ein Ballon war, gefaltet.
“Hab ich dich endlich, du gemeiner Dieb“ surrte die Biene “Das sollst Du mir büßen“. Damit holte sie zwei Tropfen Wachs, die sie unter den Flügeln mitgenommen hatte hervor, nahm sie zwischen ihre Vorderbeinchen, kletterte auf die große Bärenschnauze und verklebte ihrem Feind die Augenlider.
Als der Bär wach wurde und merkte, was geschehen war, fing er an zu weinen. “Oh je, oh je“, jammerte er. “Was für eine harte Strafe!“
Er erhob sich schwerfällig, aber da er ja fast nichts mehr sehen konnte, stieß er mit dem Kopf gegen den Baum, der ihm Schatten gespendet hatte.
So kam es, dass der Bär nicht mehr so gut sehen kann und seitdem, läuft
er unsicher durch den Wald.
Ja Kinder, ehrlich währt am längsten oder wie denkt Ihr darüber?

© Celine Rosenkind

Nickname 05.08.2010, 15.32

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