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Das beleidigte Pausenbrot

Das beleidigte Pausenbrot
Paul war begeistert von seinem bunten Schulranzen.
Wie sehr hatte er sich genau diesen, zu seiner Einschulung gewünscht.
Immer wieder packte er ihn aus und ein.
Die herrlich gefüllte Federmappe mit all den bunten Stiften,hatte es ihm
besonders angetan. Wäre da nicht diese gelbe kleine Dose gewesen……
Darin solle er nun jeden Tag sein Frühstück mitnehmen, so hatte Mutter
es ihm erklärt.
Eine Brotdose also war das hässliche kleine Ding.
Hatte denn Mutter ganz vergessen, dass direkt neben der Schule dieser kleine
bunte Kiosk stand? Hier konnte man sich die herrlichsten Naschereien kaufen.
Wozu da noch Pausenbrot mitnehmen, murmelte er vor sich hin.
Lustlos sah er zu, wie Mutter ihm seine Lieblingswurst auf das Schulbrot strich.
Sie packte noch eine halbe frische Paprikaschote ein, und nickte zufrieden mit dem Kopf.
Wenn die wüsste, dachte Paul, setze sich seinen Ranzen auf den Rücken und machte sich
auf den Schulweg.
Als er sich dem kleinen Kiosk näherte, sah er eine Schlange Gleichgesinnter geduldig warten.
Wie gut, dass er sein Sparschwein erleichtert hatte, dachte er und stellte sich hinten an.
Was da alles über die Theke ging. Esspapier, Kaugummi, Cola und Kindermilchschnitten.
Soweit er es überschauen konnte, Leckereien ohne Ende.
Endlich war er an der Reihe und es fiel ihm schwer sich zu entscheiden.
Krampfhaft hielt er seine 2 Euro in der Hand, als die alte Dame ihn lächelnd fragte,
ob er denn kein Pausenbrot mitbekommen habe. „Oh, nein“, stotterte Paul und wurde puterrot,
denn das Lügen war er eigentlich nicht gewohnt.
All die herrlichen Dinge, die er für sein Geld bekam, ließen ihn schnell sein schlechtes Gewissen vergessen.
Als die Schulglocke zur Pause rief, lernte er recht schnell, wie man sein Schulbrot entsorgte!
Oh je, wie sah der Schulhof nach der großen Pause aus.
Da lagen sie im Sand, achtlos weggeworfen, die angebissenen Butterbrote.
Als der Mond durch die Wolken lugte, hörte er ein jämmerliches Weinen. Mitten auf dem
Schulhof lag, eines jener angeknabberten Pausenbrote, das ein Kind achtlos weggeworfen hatte. Der Hausmeister musste es wohl beim Reinigen des Hofes vergessen haben.
„So eine große Gemeinheit“, schimpfte es, „ bin ich etwa nicht gut genug?“
Dann stand es entschlossen auf und lief davon. Es rannte durch die Straßen der kleinen Stadt,
bis es zu einem Bäckerladen kam.
Dort schlüpfte es durch ein offenes Fenster in die Backstube, wo die geformten Brötchen und Brote darauf warteten, in den Backofen geschoben zu werden.
„Wozu wollt ihr euch backen lassen?“ Soll es euch auch so ergehen wie mir und meinen Freunden? Achtlos werfen die Kinder uns auf dem Schulhof in den Staub!“
Als die Brote das hörten, liefen sie allesamt aus dem Bäckerladen.
Am nächsten Morgen gab es in der ganzen Stadt kein Brot, und auch am nächsten und übernächsten Tag nicht. Die unfertigen Brötchen und Brote liefen den Bäckern immer wieder
vom Backblech davon – und keiner wusste, wohin.
Nun wurden die Menschen sehr nachdenklich, sie vermissten das Brot so sehr und dachten darüber nach, wie sorglos sie bisher damit umgegangen waren.
Die morgendliche Warteschlange vor dem kleinen Kiosk war mittlerweile verschwunden.
„Ach“, seufzten die Kinder, „wäre das schön, jetzt ein deftiges Pausenbrot in der Brotdose zu haben!“
Nach ungefähr einer Woche hörten die Brote auf, wegzulaufen, sie ließen sich wieder backen
wie zuvor.
Von nun an wurde kein Pausenbrot mehr auf dem Schulhof gefunden.
Wenn ein Kind ein Stückchen Brot wegwerfen wollte, brauchte nur einer zu sagen:
Denk zurück an die brotlose Zeit. Soll es uns noch einmal so ergehen wie damals?“
Die Erinnerung daran hat sofort ihre Wirkung gezeigt.

Auch Kioskbesitzerin stellte ihr Verkaufsprogramm total um.
Hier gab es nur noch Brötchen und frisches Obst zu kaufen, Milch und im Sommer natürlich Eis für den Nachhauseweg.

Urheberrecht Celine Rosenkind



Nickname 22.05.2011, 17.35

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